Robin Hut_der Retter der Baumkrone

Landschaftstheater im Südschwarzwald

von Arnd Heuwinkel

 

Häg-Ehrsberg im Südschwarzwald, gelegen zwischen Basel und Freiburg, 860 m über dem Meeresspiegel, 841 Einwohner. Im Jahr 2011 ist hier ein Theaterverein entstanden, der vieles erreichen wollte: Theater auf dem Land spielen, Menschen mit und ohne Theatererfahrung zusammenbringen, dem Ort den Makel der Provinz nehmen, aus dem Muff des traditionsbehafteten Bauerntheaters ausbrechen...

Wie an vielen Orten in Deutschland entstand auch hier zunächst ein gemeinnütziger Verein, der sich allerdings zur Aufgabe gemacht hatte, an theaterfernen Orten, zusammen mit Profis und „Laien", ein Theater zu etablieren, welches die durch Traditionen geprägte Region durch zeitgemäße Inhalte reformieren könnte. Und das auf einem Berg. Die Gründer gaben daraufhin ihrem Verein den Namen „Theater in den Bergen". So konnte zusammen mit den BewohnerInnen des Dorfes ein Genre etabliert werden, das zukünftig maßgeblich die Vereinsarbeit bestimmen sollte: das Landschaftstheater.

Bei dieser Art des Theaters hat das Publikum keine festen Sitzplätze, sondern wandert mit den Mitwirkenden durch Wälder, Felder oder Dörfer. Mit einem Klapphocker ausgerüstet, geht es zu Fuß von Station zu Station immer wieder zu einem neuen „Bühnenbild", das hier die Landschaft verkörpert, dem Finale entgegen. Inhaltlich sind die Stücke, die zwischen drei und vier Stunden dauern, an der Populärkultur und regionalen Geschichten orientiert. So entstand nach einem Dorfkrimi im Jahr 2011, eine Zeitreise und schließlich das Projekt „Robin Hut, der Retter der Baumkrone".

Ausgehend von den idealen Bedingungen des Schwarzwalddorfes mit seinen Wäldern sollte 2015 ein Stück realisiert werden, das zwar die Geschichte eines jungen Helden erzählt, der gegen das Unrecht kämpft, allerdings mit dem Anspruch, zeitbezogene Inhalte in der Handlung zu thematisieren. „Robin Hut, der Retter der Baumkrone" handelte folglich von einem modernen Helden, der in Strumpfhosen Green Peace gründet, gegen die Verdummung seiner Mitmenschen ankämpft und die verschlungenen Wege von Briefkastenfirmen der Regierung aufdeckt.

Dabei wurden altersspezifische Rollenzuschreibungen auf den Kopf gestellt. Kinder spielten „das Böse", Frauen spielten Männer und die typischen Helden waren so gar nicht männlich. Der regionale Dialekt wurde dabei betont. Nicht, um der Mundart willen, sondern um den SpielerInnen ein größeres Selbstbewusstsein zu ermöglichen. Wer redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, der fühlt sich wohl und muss nicht versuchen, sich zu verstellen.

Nachdem in den ersten Inszenierungen hauptsächlich BürgerInnen aus dem beschaulichen Bergdorf Häg-Ehrsberg mitgewirkt hatten, öffnete sich das Theater in den Bergen 2015 auch für InteressentInnen aus Orten der näheren Umgebung. Die MacherInnen sehen sich nicht zuletzt als ReformerInnen des folkloristischen Bauerntheaters, die einen neuen Begriff des Volkstheaters entwickeln wollen. Dabei stehen der künstlerische Anspruch und die Bereitschaft, sich mit eigenen Vorschlägen einzubringen, im Vordergrund.

Das Gemeinschaftswerk von Kindern und Erwachsenen, Laien und Profis ließ das Theaterprojekt zu einem sozialen Erlebnis werden, in dem alle gleichermaßen angesprochen und inszenierter Teil der Landschaft wurden; sowohl auf der Seite der ZuschauerInnen wie auch auf der der SchauspielerInnen. Allen Beteiligten hat die Arbeit an Robin Hut so viel Spaß gemacht, dass schon das nächste Stück in Planung ist.

 

ProjektträgerIn

Theater in den Bergen e.V.
gegründet 20011
www.theaterindenbergen.de

Ziele: Zusammenführung von Menschen unterschiedlichen Alters, Dekontextualisierung von Alltagsorten zur Neuerfahrung, Gewährleistung eines Kulturangebots im ländlichen Raum


Angebote: Jährliche Realisation eines Theaterprojekts mit Möglichkeiten zur Partizipation ohne Altersbeschränkung

 

Seitenübersicht