Die integrative Kraft der Kultur stärken!

»Innovationspreis Soziokultur« an den Hamburger Verein Hajusom vergeben

Der transnationale Verein Hajusom e,V. in Hamburg ist am 14. Juni 2012 mit dem »Innovationspreis Soziokultur« des Fonds Soziokultur zum Thema »Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung« ausgezeichnet worden. Diese Kulturinitiative erhielt den Preis für das Tanztheaterprojekt »Hajusom in Bollyland«, bei dem junge, unbegleitete Flüchtlinge unter professioneller Anleitung im imaginären Bollyland eine neue Heimat finden, weil sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen können. Nicht nur hoher künstlerischer Anspruch, sondern auch vorbildliches soziales Engagement befördern dabei den interkulturellen Diskurs auf beiden Seiten.

 

Die feierliche Preisvergabe fand unter großer öffentlicher Beteiligung in der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel statt. Der Vorsitzende des Fonds Soziokultur, Kurt Eichler, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der Preis nicht nur als Anerkennung für die thematische Zielgenauigkeit und Qualität des Projektes vergeben werde, sondern auch eine kulturpolitische Bedeutung habe. Ziel sei auch, den Blick auf ein kulturelles Praxisfeld zu lenken, das es verdient habe, besser wahrgenommen und gefördert zu werden.

 

Dem konnte auch Kirsten Haß von der Kulturstiftung des Bundes in ihrem Grußwort nur beipflichten. »Die Strategie der Soziokultur, Menschen mit Hilfe kultureller Praktiken zu ermöglichen, Selbstauskunft zu geben«, sei »der Schlüssel zu einer unglaublichen Vielzahl beeindruckender Projekte«. Einen Eindruck davon konnten schließlich die Anwesenden von den Akteuren selbst gewinnen, die eindrucksvoll Szenen aus »Hajusom im Bollyland« vorstellten.

 

Innovationspreis 2011 in Hamburg

 

Der mit 7.500 Euro ausgestattete »Innovationspreis Soziokultur« wurde zum fünften Mal vergeben. Er wird vom Fonds Soziokultur ausgelobt – eine bundesweite Fördereinrichtung, die seit 1988 Projekte unterstützt, in denen Menschen zur aktiven Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermutigt werden. Die Projekte sollen Modellcharakter haben und für andere soziokulturelle Initiativen und Einrichtungen Maßstäbe setzen. Die Fördermittel des Fonds werden von der Kulturstiftung des Bundes bereitgestellt.

 

Begrüßungsrede von Kurt Eichler

Vorsitzender des Fonds Soziokultur

 

Grußwort von Kirsten Haß

Kulturstiftung des Bundes

 

Festrede von Prof. Dr. Irmgard Merkt

TU Dortmund

 

Urkunde

 

Bilder von der Preisverleihung

© Karin Desmarowitz

 

 

 

»Kulturelle Beteiligung auch im Stadtteil verankern!«

»Innovationspreis Soziokultur« an die Hainhölzer Kulturgemeinschaft in Hannover vergeben

Die Hainhölzer Kulturgemeinschaft in Hannover ist am 24. Mai 2012 mit dem »Innovationspreis Soziokultur« des Fonds Soziokultur zum Thema »Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung« ausgezeichnet worden. Dieser Verein aus dem Sanierungsstadtteil Hannover-Hainholz erhielt den Preis für das Projekt »Skulpturen für Hainholz«, bei dem ein zentraler öffentlicher Platz unter professioneller Anleitung von den Anwohnern selbst künstlerisch gestaltet wurde. Es gelang dabei, mehr als 80 Personen mit den unterschiedlichsten sozialen und ethnischen Hintergründen für Kunst im öffentlichen Raum zu begeistern und ihre gestalterischen Fähigkeiten im Stadtbild sichtbar zu machen.

 

Die feierliche Preisvergabe fand unter großer öffentlicher Beteiligung in den Räumlichkeiten der VGH-Stiftung in Hannover statt. Der Vorsitzende des Fonds Soziokultur, Kurt Eichler, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der Preis nicht nur als Anerkennung für die thematische Zielgenauigkeit und Qualität des Projektes vergeben werde, sondern auch eine kulturpolitische Bedeutung habe. Ziel sei auch, den Blick auf ein kulturelles Praxisfeld zu lenken, das es verdient habe, besser wahrgenommen und gefördert zu werden.

 

Innovationspreis 2011 in Hannover

 

Den Festvortrag bei der Preisverleihung hielt der in Theorie und Praxis der Soziokultur ausgewiesene Experte Dr. Hans-Jörg Siewert. Er hob darin unter anderem hervor, dass die inklusive Kulturarbeit dann ihre beste Wirkung entfaltet, wenn sie kreative Potenziale und nicht formale Qualifikationen betont: »Kultur kann Menschen auch dort gewinnen, wo sie etwas leisten, was nicht unbedingt in unsere Leistungsgesellschaft hineinpasst. Hier können sie ihre spezifischen Qualitäten, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten einbringen und erhalten dafür Respekt und Anerkennung.«

 

Der mit 7.500,- Euro ausgestattete »Innovationspreis Soziokultur« wurde zum fünften Mal vergeben. Er wird vom Fonds Soziokultur ausgelobt – eine bundesweite Fördereinrichtung, die seit 1988 Projekte unterstützt, in denen Menschen zur aktiven Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermutigt werden. Die Projekte sollen Modellcharakter haben und für andere soziokulturelle Initiativen und Einrichtungen Maßstäbe setzen. Die Fördermittel des Fonds werden von der Kulturstiftung des Bundes bereitgestellt.

Bonn, den 30. Mai 2012

 

Begrüßungsrede von Kurt Eichler

Vorsitzender des Fonds Soziokultur

 

Festrede von Dr. Hans-Jörg Siewert

Freier Kulturberater

 

Urkunde

 

Bilder von der Preisverleihung

© Karin Desmarowitz

 

 

 

 

»Innovationspreis Soziokultur«

Ländliche Akademie Krummhörn ausgezeichnet

Die Ländliche Akademie Krummhörn ist mit dem »Innovationspreis Soziokultur« des Fonds Soziokultur zum Thema »Spuren suchen – finden - hinterlassen« ausgezeichnet worden. Die Einrichtung aus dem äußersten Nordwesten Deutschlands erhielt den Preis für das deutsch-niederländische Projekt »Sturmflut 1509: Versunkene Dörfer – Verdronken Geschiedenis«, ein Vorhaben, das ein zentrales historisches Ereignis auf vielfältige Weise künstlerisch-kreativ nacherzählt und spielerisch umgesetzt hat. Mehr als 120 Personen aus 19 Dörfern der Region – Künstler und Laien – hatten die damaligen Ereignisse theatralisch und musikalisch gestaltet und mit großem Erfolg öffentlich präsentiert.

Innovationspreis 2009

v.l.n.r.: Dr. Ralf Bärenfanger, Mechthild Eickhoff, Peter Kamp, Dr. Norbert Sievers, Christine Schmidt, Rainer Bode, Kurt Eichler, Johann Saathoff, Klaus Kussauer

Die feierliche Preisvergabe fand unter großer Beteiligung der Künstler und Kulturschaffenden aus der Region in Krummhörn bei Emden selbst statt. Der Vorsitzende des Fonds Soziokultur, Kurt Eichler, machte bei dieser Veranstaltung deutlich, dass der Preis nicht nur als Anerkennung für die thematische Zielgenauigkeit und Qualität des Projektes vergeben werde; er habe auch eine kulturpolitische Bedeutung. Es soll der Blick auf ein kulturelles Praxisfeld gelenkt werden, das besser wahrgenommen und gefördert werden sollte.

Den Festvortrag bei der Preisverleihung hielt Prof. Dr. Helene Kleine von der Fachhochschule Potsdam zum Thema »Spuren suchen – Zeichen setzen«. Sie hob darin unter anderem hervor, dass die Kulturpolitik und die künstlerischen/kulturellen Angebote noch zu stark auf die großen Metropolen ausgerichtet seien. Ein beachtlicher Teil der Menschen in Deutschland lebten aber auf dem flachen Land, in Dörfern und Kleinstädten. Und hier seien es eben nicht »die klassischen Institutionen und Orte bürgerlicher Kulturpflege, die das kulturelle Leben ausmachen«, sondern das »zivilgesellschaftliche Engagement der Einzelnen und Gruppen«, die die ländliche Kulturarbeit prägten. Darin liege eine große Chance für die Zukunft. Auch deshalb verdiene die Kulturarbeit auf dem Lande mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Die Geschäftsführerin der Ländlichen Akademie Krummhörn, Christine Schmidt, konnte diesen Überlegungen nur beipflichten. Sie freue sich – zusammen mit allen Mitarbeitern und Mitgliedern der Ländlichen Akademie – sehr über die Auszeichnung durch den Fonds Soziokultur, die sie auch als Anerkennung für das besondere Engagement der soziokulturellen Akteure im ländlichen Raum insgesamt betrachte. Der mit 10.000 Euro ausgestattete »Innovationspreis Soziokultur« sei zudem eine äußerst lohnende Investition, da er alsbald in ein nächstes (gemeinnütziges) Projekt einfließen werde.

Der »Innovationspreis Soziokultur« ist mittlerweile zum vierten Mal vergebenen worden und wirkt dabei wie ein öffentlicher Fingerzeig auf die Lebendigkeit, Innovationsfreude und Schaffenskraft der Soziokultur. Er wird vom Fonds Soziokultur ausgelobt – eine bundesweite Fördereinrichtung, die seit 1988 Projekte unterstützt, in denen Menschen zur aktiven Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermutigt werden. Die Projekte sollen Modellcharakter haben und für andere soziokulturelle Initiativen und Einrichtungen Maßstäbe setzen. Die Fördermittel des Fonds werden von der Kulturstiftung des Bundes bereitgestellt.

 

»Ein Orakel im Rosa Tempel und Spuren der Vertreibung«

Fonds Soziokultur kürt zwei Sieger im Wettbewerb »Heimat Europa«

Ein Preis war geplant, zwei wurden vergeben. So sehr überzeugten die Projekte »Pink House Bremen« und »Lacho Drom« beim Wettbewerb um den Innovationspreis Soziokultur. Beide erhalten nun jeweils 7.500 € Preisgeld.

Das »Pink House Bremen« siedelte im September 2006 am Rande des multi-kulturellen Stadtviertels Gröpelingen. Der aufblasbare antike Tempel von neun Metern Höhe beherbergte in seinem Innern ein anspruchsvolles Kulturprogramm, an dem die Bürger aktiv beteiligt wurden. Er war unter anderem ausgestattet mit von ihnen geliehenen Sesseln. Ein Orakel beantwortete Fragen der Bürger, die Wochen vorher gesammelt worden waren. Es gab Ausstellungen und die Volksküche »Babel«, inklusive allabendlicher Tischrede und Kultur zum Dessert. Zehn Tage lang bespielten artserv.net, ein Projekt des Kunst- und Künstlerhauses Schwankhalle Bremen, und der Verein Kultur Vor Ort die quietschrosa Hülle. Sie schufen einen »temporären Tempel, für die Stadt von heute, in der es keine gemeinsamen Tempel mehr gibt«. Nach dem Votum der Jury des Fonds Soziokultur verknüpfte Pink House Bremen ein internationales Kunstprojekt mit innovativer Stadtteilkultur und hat dabei den interkulturellen Anspruch ideal umgesetzt. Wie beispielsweise beim Iftar Essen, dem traditionellen Fastenbrechen, zu dem die Bremer Muslime ins Pink House geladen hatten, und an dem sich auch Christen und Juden beteiligt hatten. Die Tempel-Hülle wurde den Projektträgern von den lettischen Künstlern Aigar Bikse und Kristaps Gulbis zur Verfügung gestellt. Sie war erstmals 2005 auf der Biennale in Venedig zum Einsatz gekommen.

Zweiter Preisträger ist der Förderverein der Theatertage am See in Friedrichshafen mit seiner Internationalen Jugendbegegnung zur Sinti- und Romakultur im April 2006. Der Titel der Begegnung »Lacho Drom« ist Romanes und heißt übersetzt »Der richtige Weg«. Hier spielten 45 Jugendliche aus Bulgarien, Serbien, Albanien, Mazedonien, Rumänien, Spanien und Deutschland gemeinsam Theater. Dabei waren die Landesgruppen der 18- bis 25-Jährigen jeweils zur Hälfte aus Roma und Nicht-Roma zusammengesetzt. Ihre Themen: Die Verfolgung der Sinti und Roma, deren Kultur und die Frage, was Nomaden Heimat bedeutet. Die 10-tägigen Workshops mit einem Musiker, einer Flamenco-Tänzerin und einem Theater-Pädagogen gipfelten am 8. April, dem Internationalen Tag der Sinti und Roma, in einer szenischen Theateraufführung vor 400 Besuchern. Ein Mädchen stellte beispielsweise einen Baum dar, andere Jugendliche dessen Wurzeln, die solange von außen angegriffen wurden, bis der Baum zusammenbrach. Heimat gibt Halt, lautete die Botschaft. Das Projekt trägt Früchte: für eine Gruppe serbischer Jugendlicher, die keine Visa bekommen hatte, wurde kurzerhand ein Zusatz-Seminar in Serbien organisiert. Ein Europäisches Roma-Jugendnetzwerk ist im Aufbau, und die Beteiligten diskutieren weiter: auf einer eigenen Internet-Plattform. Die Jury lobte besonders die Spielfreude, das Engagement und die Eigeninitiative der Jugendlichen, die das Projekt zum Einstieg in einen nachhaltigen Dialog machten.

Der Fonds Soziokultur hat den Innovationspreis Soziokultur zum dritten Mal vergeben. Die feierliche Verleihung fand im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung zum zwanzigjährigen Jubiläum des Fonds Soziokultur am 10. April 2008. Die beiden Preisträger konnten Ihre Urkunden und die Preisgelder aus den Händen des Kulturstaatsministers Bernd Neuman und des Fonds-Vorsitzenden Kurt Eichler entgegennehmen.

Bonn, 11.April 2008

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   Innovationspreis Soziokultur

›Neue Medien und Soziokultur‹ Fonds Soziokultur vergibt ›Innovationspreis Soziokultur‹

Zum zweiten Mal hat der Fonds Soziokultur seinen Innovationspreis vergeben, einen Kulturpreis, um den sich soziokulturelle Initiativen nicht direkt bewerben können, sondern der gekoppelt ist an das Leitthema einer Projektmittelausschreibung. Im Jahr 2004 richtete sich die mit der Kulturpreisvergabe verbundene Ausschreibung (»Neue Medien und Soziokultur«) an Projektträger, die sich der kreativen Produktion, Präsentation und Vermittlung Neuer Medien widmen. Aus dem Kreis der geförderten Projekte zum Thema Medienkultur und Medienkunst sind schließlich 16 Projekte aus ganz Deutschland für den Innovationspreis

nominiert und drei davon am 13. Januar 2005 in Dortmund ausgezeichnet worden. Im Theater Fletch Bizzel übergaben der Fonds-Vorsitzende Kurt Eichler und die Kuratoriumsvorsitzende Anne Schulz die Urkunden und die Preisgelder.

Den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt hartware medien kunst verein aus Dortmund für das Ausstellungsprojekt »games – Computerspiele für KünstlerInnen«, in dem es nach Auffassung der Jury in herausragender Weise gelungen ist, Computerspiele künstlerisch zu bearbeiten und dadurch den Bezug zwischen Medienkunst und Jugendkulturen herzustellen.

Der zweite Preis (5.000 Euro) ging an die Pädagogische Aktion/Spielkultur aus München für das Projekt »Platons Cave tod@y«. Diese interaktive Installation wurde von der Jury als ein überzeugendes Beispiel dafür bewertet, wie ein altes Thema mit Hilfe Neuer Medien kultur- und medienpädagogisch aufgegriffen und aktualisiert werden kann. Und den dritten Preis (3.000 Euro) erhielt das Medienzentrum Parabol aus Nürnberg für das Projekt »Tatort Nürnberg«, einer Entwicklung und experimentellen Erprobung eines internetgestützten Stadtspieles im virtuellen und realen Raum.

Die Staatsministerin a.D. und Präsidentin der Kunststiftung NRW, Ilse Brusis, hielt die Laudatio auf den Hauptpreisträger. Sie würdigte dabei insbesondere das beispielhafte Engagement und die Beharrlichkeit der Mentoren des Projektes, Iris Dressler und Hans D. Christ, die das internationale Ausstellungsprojekt zu einem Erfolg geführt hätten, der auch überregional gewürdigt und anerkannt worden sei. ›games. Computerspiele von KünstlerInnen‹ – realisiert im ehemaligen Reserveteillager des stillgelegten Hochofenwerkes PhoenixWest – habe in vorbildlicher Weise die gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge zwischen Neuen Medien und Soziokultur aufgezeigt. Es sei hier gelungen, ein Modell einer alltagsnahen Kulturarbeit zu entwickeln und experimentell zu erproben. PhoenixWest sei so zu einem öffentlich zugänglichen Ort der Kulturvermittlung geworden, der Zielgruppen anspräche, die an herkömmlichen Kultur- und Medienangeboten kaum teilnähmen. Durch das vielfältige Rahmenprogramm (Workshops, Filmprogramm, Werkstätten, LAN-Parties) seien insbesondere Jugendliche ermuntert worden, sich kreativ mit den Neun Medien auseinander zu setzen. »Gerade Medienkunst und -kultur haben eine besondere Beziehung zur Soziokultur. Von daher war die Ausschreibung des ›Innovationspreises Soziokultur‹ nur folgerichtig, und sie ist nach wie vor hoch aktuell.«

v.l.n.r.: Angelika Bauer, Sebastian Ring, Kurt Eichler, Dr. Norbert Sievers, Iris Dressler, Danilo Dietsch, Sabine Reichelt, Hans D. Christ, Dr. Knut Nevermann, Ilse Brusis,, Dr. Jürgen Langemeyer (Foto: © Aloys Reminghorst, Ruhr Nachrichten)

v.l.n.r.: Angelika Bauer, Sebastian Ring, Kurt Eichler, Dr. Norbert Sievers, Iris Dressler, Danilo Dietsch, Sabine Reichelt, Hans D. Christ, Dr. Knut Nevermann, Ilse Brusis,, Dr. Jürgen Langemeyer (Foto: © Aloys Reminghorst, Ruhr Nachrichten)

 

Innovationspreis Soziokultur 2002

Der Abteilungsleiter bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt, Dr. Knut Nevermann, hielt auf der Veranstaltung den Festvortrag mit dem Titel »Kultur- und Medienpolitik im Zusammenhang mit den Herausforderungen der Informationsgesellschaft«. Er befasste sich darin ausführlich mit den kulturpolitischen Notwendigkeiten und Chancen der Förderung der kulturellen Kompetenzen im Umgang mit den Neuen Medien. Die Soziokultur leiste hier eine wichtige Vorreiterrolle, weil es ihr gelinge, durch die Entwicklung und Bereitstellung geeigneter Kulturangebote und Medienprojekte diese Kompetenzentwicklung zu ermöglichen und die Eintrittsschwelle zu dem Erfahrungsraum von Kunst und Kultur – insbesondere auch für Kinder und Jugendliche – niedrig zu halten. Er würdigte die Einrichtungen und Projekte der Soziokultur als »wendige Lotsen des Kulturbetriebes«, weil sie unter anderem auf aktive kulturelle Teilhabe setzten und über eine besondere Sensibilität und Offenheit für neue gesellschaftliche Themen und Entwicklungen verfügten.

Klaus Kussauer

 

Auszug aus dem Festvortrag des Abteilungsleiters Kultur bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Dr. Knut Nevermann

Unbestritten ist, dass wir uns einer gewaltigen Herausforderung im Umgang mit Medien und Informationen gegenüber sehen

Zweifellos kann man hier von einer »neuen Unübersichtlichkeit« sprechen – Orientierungslosigkeit, virtuelle Gemeinschaften und Reizüberflutung wären einige der einschlägigen Stichworte. Offenkundig scheint mir auch, dass die Gesellschaft, die Eltern, Lehrer und Politiker zu lange einer Fehlentwicklung zugeschaut haben, ohne den enormen medialen Reiz- und Informationsströmen etwas entgegenzustellen. In einer Art kollektiver Sorglosigkeit haben wir uns vom beschleunigten technischen Fortschritt das Ruder aus der Hand nehmen lassen. Und wir haben dabei, denke ich, die Magie gewisser Medien schlicht unterschätzt.

In gewisser Weise gilt es, dem einen nachgerade traditionellen Bildungs- und Kulturbegriff entgegenzusetzen. Es kann dabei nicht um ein simples Zurück zu überkommenen Konzeptionen gehen. Niemand verlangt, dass unsere Kinder wieder in den legendären septem artes liberales unterrichtet werden. Es geht vielmehr um das Offenhalten von Optionen, um das Formulieren von Angeboten, die Alternativen schaffen zur »Schönen neuen Medienwelt« – auch innerhalb dieser Welt. Literatur, Musik und bildende Kunst beinhalten eine Fülle von faszinierenden Alternativen, ebenso wie der Tanz, das Theater und der Film. Die Begegnung mit den Künsten schult die Wahrnehmungs- und Lesefähigkeit in einem umfassenden Sinn. Indem wir uns mit Kunst und Kultur auseinandersetzen, bilden wir unsere Subjektivität, unser Vermögen, über plurale Weltsichten nachzudenken, unsere geistige Unabhängigkeit. Kunsterfahrung und aktive Teilhabe an kulturellen Prozessen können wichtige Grundlagen sein für den Umgang mit der Welt, in der wir leben. Die Herausforderung für Kulturpolitik und Kultureinrichtungen besteht darin, diese Fundamente nicht nur zu legen, sondern sie – unter den Bedingungen der Gegenwart – auch für möglichst alle begehbar zu gestalten.

Die Soziokultur leistet unter den skizzierten Vorzeichen eminente Beiträge. Sie setzt im Nahbereich an, im Wohnquartier, an den Problemlagen des alltäglichen Lebens. Dadurch gelingt es ihr, die Eintrittsschwellen niedrig zu halten. Vor allem Kinder und Jugendliche verdanken soziokulturellen Einrichtungen ihren ersten Zugang zu dem Erfahrungsraum, den allein Kunst und Kultur schaffen. Auch mit Blick auf die aktuelle bildungspolitische Debatte gilt es festzuhalten: Es gibt keine Alternative zu den Künsten – die rein intellektuell erworbene Einsicht wird den Anteil der sinnlichen Wahrnehmung und des Spielerischen niemals aufwiegen können.

Die Institutionen und Projekte der Soziokultur sind, im Vergleich zu manchen Tankern der »Hochkultur«, die wendigen Lotsen des Kulturbetriebs. Ihr konzeptioneller Ansatz und ihre Organisationsformen erlauben es ihnen, in besonderem Maße zielgruppenorientiert zu arbeiten. Die soziokulturelle Szene verfügt zudem über eine besondere Sensibilität und Offenheit für neue gesellschaftliche Themen. Und sie fördert die aktive Auseinandersetzung mit Kultur, die je eigene Gestaltung kreativer Prozesse. Die Bedeutung dieses Aspekts der Partizipation ist nicht zu unterschätzen, gerade in einer Medien- und Informationsgesellschaft, die Kultur allzu oft mit großem Event und passivem Konsum gleichsetzt.

Auszug aus der Preisrede der Staatsministerin a.D. Ilse Brusis

Gestatten Sie mir – meine Damen und Herren – abschließend auch eine kulturpolitische Anmerkung. Viele von uns haben im vergangenen Jahr mit Sorge die Arbeit der Föderalismuskommission beobachtet und die leidige Entflechtungsdebatte verfolgt. Wir wissen, dass wir in etlichen Bereichen der Politik zu einer neuen Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden kommen müssen. Aber wir wissen auch, dass Zuständigkeitsegoismus im Kulturbereich ein falscher Weg ist. Was wäre aus dem Projekt »games« geworden, das wir heute mit dem Innovationspreis Soziokultur auszeichnen, wenn es nicht außerhalb kulturpolitischer Zuständigkeiten die Möglichkeit kooperativer Förderungspolitik gäbe, die diesem Grundsatzstreit entzogen ist? Die Stiftungen des Bundes und der Länder, aber auch der Fonds Soziokultur und die anderen Bundeskulturfonds werden vor diesem Hintergrund immer wichtiger, um im Interesse der Kunst und der Menschen Kulturförderung an Projekten orientiert zu betreiben. Wir brauchen in der Kulturförderpolitik die Verflechtungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Die Ausstellung »games« hat bewiesen, dass »Kooperation als Strukturprinzip der Kulturförderung« lebendig bleibt und zu ausgezeichneten Ergebnissen führt.

Ich gratuliere allen Preisträgern herzlich zum Innovationspreis Soziokultur.