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Kulturpolitik und kulturelle Teilhabe
Auch wenn die oben skizzierten Entwicklungen in den USA und in Frankreich nicht nahtlos auf Deutschland übertragen lassen, gibt es doch eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die zum Nachdenken anregen sollten. Der Einfluss von Internet und den digitalen Medien ist ein globales Phänomen, dessen Auswirkungen auch hierzulande zu beobachten sind. Ähnlich wie in Frankreich und in den Vereinigten Staaten ist auch in Deutschland mehr als die Hälfte der Bevölkerung faktisch von der Teilhabe an den öffentlichen Kulturangeboten ausgeschlossen. Diese Hälfte hat ein klares soziales Profil: Es sind die finanziell schlechter Gestellten, die weniger Gebildeten, auch jüngere Menschen, überproportional viele davon mit Migrationshintergrund. Die Gruppe der kulturellen Nutzer wird wiederum immer überschaubarer und homogener. Diese „kulturelle Spaltung“ (Horst W. Opaschowski) unserer Gesellschaft in besser und schlechter Verdienende und Gebildete mag sich in boomenden Städten und Regionen weniger deutlich zeigen, doch in ökonomisch schwachen und abgehängten Stadtteilen oder in ländlichen Regionen sind sie längst sichtbar. Stellt man den demografischen Wandel und die damit verbundenen sinkenden Bevölkerungszahlen noch in Rechnung, erübrigt sich fast schon die Frage nach Auslastung und Legitimation weiter Teile der kulturellen Infrastruktur in den nächsten 10 bis 15 Jahren.
Literatur:
Donnat, Olivier (2009), „Les Pratiques Culturelles des Francais à L’Ère Numerique. Enquete 2008» La Découverte/Ministère des la Culture et de la Communication. Im Internet unter www.pratiquesculturelles.culture.gouv.fr
Guerrin, Michel/Herzberg, Nathaniel (2009): Internet bouscule les choix culturels des Francais, in: Le Monde 15.10.2009, S. 24 – 25
Guerrin, Michel/Herzberg, Nathaniel (2009a): Editorial: Echec culturel, in: Le Monde 15.10.2009, S. 2
Keuchel, Susanne (2005), Das Kulturpublikum zwischen Kontinuität und Wandel. Empirische Perspektiven, in: Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (Hrsg.), Jahrbuch Kulturpolitik 2005, Thema: Kulturpublikum, Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (Bonn), Klartext Verlag (Essen), S. 111-127
Lehnartz, Sascha (2009), Niedergang einer Kulturnation, in: Die Welt, 20. Oktober 2009
National Endowment for the Arts (2009), Arts Participation 2008. Highlights from an National Survey, Washington (www.arts.gov)
[1] Mit dem dritten Kulturpolitischen Bundeskongress «publikum.macht.kultur» Jahr 2005, dem «Jahrbuch Kulturpolitik 2005» des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft zum gleichen Thema und der damit verbundenen Forderung nach einer nachfrageorientierten Kulturpolitik ist dies eindrucksvoll unterstrichen worden.
Wolfgang Hippe ist Journalist, Autor und freier Mitarbeiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft.
Dr. Norbert Sievers ist Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. Bonn
Der Beitrag ist auch in Heft Heft 127 IV/2009 S. 64 ff. der Kulturpolitischen Nachrichten nachzulesen.
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Schlagworte: Digital, Frankreich, Kulturelle Teilhabe, Kulturkonsum, Publikum, USA
