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Perspektiven
Die Situation ist sicher nicht aussichtslos. Bei der Tagung „Die Wege zur Kultur – Barrierefreiheit in Bibliotheken und Museen“ der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen in Weimar im Oktober 2009 wurde das Thema erörtert und auch Beispiele guter Praxis vorgestellt (z.B. das Landesmuseum Mainz). In England hat die Verabschiedung des „Disability Discrimination Act“ (1995) in Verbindung mit einer entsprechenden Kulturpolitik („Libraries, Museums, Galleries and Archives for All: cooperating across the sectors to tackle social exclusion“) Impulse gesetzt und eine vorher nicht da gewesene Dynamik ausgelöst. Gute Beispiele sind also vorhanden. Es bedarf aber angesichts knapper Kassen großer Anstrengungen und eines langen Atems, den Abbau von Barrieren jeglicher Art beim Zugang zu Kulturangeboten zu erreichen. Einige ungeordnete Vorschläge – und keineswegs vollständig – hierzu:
- Veranstalter von Kulturangeboten, Leitungen und Mitarbeiter kultureller Einrichtungen sollten die Bereitschaft entwickeln, sich in die Situation behinderter Menschen hineinzuversetzen und ihre Belange zu berücksichtigen. Ein erster Schritt wäre, sich überhaupt bewusst zu machen, dass sie zum Publikum dazugehören (Barrieren in den Köpfen abbauen) und sich u.a. mit den genannten Fragen auseinander zu setzen. Reflektion über die eigene Haltung als Einstieg zu verändertem Tun.
- Zugänglichkeit/Barrierefreiheit sollte ein Kriterium für Kulturförderung sein. Dabei geht es nicht darum, ad hoc teure Baumaßnahmen zu finanzieren, obwohl ggf. auch Umbauten dazu gehören. Gerade bei langjährig geförderten Einrichtungen besteht die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum ein Gesamtkonzept zur Zugänglichkeit zu entwickeln und Maßnahmen schrittweise umzusetzen.
- Das Thema sollte in die Curricula der Institutionen aufgenommen werden, die Ausbildung im Kultur- und Medienmanagement anbieten.
- Beratung durch behinderte Menschen. Sie sind die Expertinnen und Experten.
- Förderung und Vernetzung guter Praxis.
- Eröffnung eines Diskurses darüber, welche Aufgaben und Verpflichtungen öffentlichen Kultureinrichtungen bei der Entwicklung zu einer inklusiven Gesellschaft zukommen? Welche strukturellen und organisatorischen Anforderungen sind damit verbunden? Wie groß ist die Bereitschaft auf Seiten der Kultur, diesen Prozess aktiv mit zu gestalten?
Stellen wir uns zum Abschluss einfach vor, es gelingt, Barrieren abzubauen und behinderten Menschen mehr als bisher Wege zur Kultur zu eröffnen. Eine der spannendsten Fragen an diesem Prozess ist, wie die „Mehrheitsgesellschaft“, die „nicht behinderte“ Gesellschaft darauf reagiert. Ist sie bereit, z.B. Theateraufführungen mit Gebärdensprachdolmetschern zu akzeptieren? Empfindet sie das möglicherweise als störend? Welche Diskussionen würden sich ergeben? Würden Denkprozesse angestoßen?
Gisela Bruns, Referentin in der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, Amt für Soziales, Abteilung Rehabilitation und Teilhabe
Darren Grundorf, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Kultur- und Medienmanagement, Hochschule für Musik und Theater in Hamburg
N. Sievers, R. Knopp und J. Molck haben unter der Überschrift „Kultur nicht für alle? Kulturpolitik und gesellschaftliche Teilhabe“ eine Debatte um kulturelle Teilhabe und soziale Ausgrenzung angestoßen.
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Schlagworte: Ausgrenzung, Behinderung, Integration, Kultur für alle, Kulturelle Teilhabe, Menschenwürde, Teilhabe, UNO-Konvention
