Über die Arbeit mit behinderten und nicht behinderten Kindern und Jugendlichen berichtet Cornelia Hoffmann-Dodt.
Sie haben Spaß an der Bewegung und am Einstudieren gemeinsamer Tanzsequenzen. Die gegenseitige Wertschätzung steht im Vordergrund, die durch das Erreichen gemeinsamer Ziele Bestätigung für alle Beteiligten bedeutet. In der Jugendkunstschule Heidelberg gibt es seit 1991 in ihrer Dossenheimer Zweigstelle auch einen eigenen musischästhetischen Kindergarten. Kindergarten und Jugendkunstschule nutzen teilweise dieselben Räume, Geräte und Materialien. Seit 2005 findet in diesen großzügigen Räumen an einem Nachmittag in der Woche drei Stunden lang ein integrativer Freizeittreff für Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren mit und ohne geistige Behinderung statt. Diese Altersstaffelung hat sich bewährt, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass 13- oder 14-jährige geistig behinderte Kinder gut mit 10- bis 12-jährigen nicht behinderten Kindern auskommen, dass jedoch noch jüngere Kinder und die pubertierenden geistig behinderten Kinder nicht viel miteinander anfangen können. Dazu sind wiederum die geistig benachteiligten körperlich zu reif.
Der Treff läuft jeweils über mehrere Monate mit denselben Teilnehmern. Bis zu fünfzehn Teilnehmer kann die Gruppe umfassen, sechs bis sieben geistig behinderte Jugendliche nehmen am Kurs teil. Diese werden von zwei Kunst-, Musik- und/oder Tanzpädagogen angeleitet und erhalten zusätzliche Unterstützung von ein bis zwei Praktikant/ innen. Alle Pädagogen weisen jahrelange Erfahrungen im Bereich der Sonderpädagogik auf. Finanzielle Unterstützung erhält der Freizeittreff durch den Verein Pro-down e.V. , dieser trägt die Kosten für eine Kraft. Der Verein macht es sich zur Aufgabe, behinderte Kinder und Jugendliche in die Freizeit zu integrieren, indem er Freizeiteinrichtungen finanziell unterstützt. Die Jugendkunstschule selbst gibt zugunsten dieses Vereins einen Kinder- und Jugendkunstkalender heraus. Der Treff zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er den Teilnehmern Angebote bietet, die für die Wünsche, Ansprüche und Bedürfnisse der Beteiligten offen bleiben können: gemeinsames Musizieren und Bewegungsübungen, freies Spiel, Gestalten im Atelier, Einüben von kleinen Tanzschritten, Ruhephasen, Spielmöglichkeiten, Lesen und gemeinsames Essen oder Backen. Nach einem gemeinsamen Beginn mit Musik und Bewegung stehen die beiden Pädagoginnen jeweils im Atelier oder für Bewegungsspiele und Tanzübungen zur Verfügung. Praktikantinnen spielen mit den Kindern und Jugendlichen oder helfen auch bei Bedarf an anderer Stelle mit. Die Pädagogen haben dafür ein gemeinsames Konzept erarbeitet, das mit den jeweiligen Fachbereichen aufeinander abgestimmt wird oder ein durchgehendes Thema beinhaltet. Immer aber orientieren sie sich an den Wünschen und Möglichkeiten der Teilnehmer.
Der gemeinsame Beginn wird zum Miteinander-Warmwerden genutzt und um Bewegungsstaus abzubauen. Es wird erzählt und besprochen, wie der Nachmittag gestaltet werden kann. Es kann sein, dass Kinder und Jugendliche bestimmte gestalterische Vorstellungen haben, die sie im Atelier umsetzen möchten. Oft wünschen sie sich auf großen Formaten zu malen. Gemeinschaftsarbeiten werden ebenso angeregt wie das kreative Arbeiten mit Rest- oder Naturmaterialien oder das Ausprobieren neuer Techniken. Behinderte Teilnehmer schauen sich bei ihren nicht behinderten Altersgenossen den Umgang mit Pinsel, Farben und anderen Materialien ab und lassen sich ebenso gern helfen wie sie selbst.
Cornelia Hoffmann-Dodt, Gründerin und Leiterin der Jugendkunstschule Heidelberg. Die Schule ist Mitglied im Bundesverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogische Einrichtungen (bjke) e.V.
Schlagworte: Ausgrenzung, Behinderung, Integration, Jugendkunstschule, Kindergarten, Respekt
