Kultur ohne Grenzen

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Angesichts des Bedeutungsverlust der Hochkultur ist die Zeit vielleicht reif für die Durchsetzung des Prinzips Soziokultur, meint Birgit Mandel.

Repräsentative Befragungen zum Thema Kulturnutzung zeigen, dass sich nur etwa acht Prozent der Deutschen stark für die (öffentlich geförderten) Kulturangebote interessieren und sie regelmäßig nutzen; rund 40 Prozent interessieren sich mäßig und ungefähr 50 Prozent haben kein Interesse und gehen auch nie in eine Kultureinrichtung. Dank sehr hoher öffentlicher Förderung hat Deutschland das weltweit größte Angebot an Theatern, Opern, Orchestern und Museen aufzuweisen.

Wir sind stolz darauf und bezeichnen uns als Kulturstaat. Gleichzeitig haben wir uns scheinbar damit abgefunden, dass dieser kulturelle Reichtum, der sich vor allem auf die Pflege kulturellen Erbes richtet, nur für eine kleine, weit überwiegend akademisch gebildete Gruppe vorgehalten wird. Und interessanterweise finden das auch die meisten derjenigen in Ordnung, die dieses Kulturangebot kaum oder gar nicht wahrnehmen. „(Hoch-)Kultur ist wichtig für die Gesellschaft„, so die vorherrschende Meinung, „hat jedoch nichts mit meinem persönlichen Leben zu tun. Kultur ist da, wo ich nicht bin!“ Trotz gelegentlicher kulturpolitischer Forderungen nach einer „Kultur für alle“ oder sogar „Kultur von allen“ gab es bislang keine nachhaltigen Versuche, an der sehr ungleichen Nutzung des steuerfinanzierten Kulturangebots etwas zu verändern.

Kulturpolitik als Klientelpolitik

Kulturpolitik wird in Deutschland, im Unterschied zu Ländern wie Großbritannien, nicht in den Dienst gesellschaftspolitischer Ziele gestellt, sondern bleibt vor allem Klientelpolitik, dient also der Aufrechterhaltung des Bestehenden. An diesem Befund ändert sich auch nichts, wenn – quasi aus der Portokasse – seit den 70er Jahren zusätzlich soziokulturelle Einrichtungen finanziert werden, in denen mit einem weiteren Kulturbegriff gearbeitet wird und in die auch Nutzer über den kleinen elitären Kreis des üblichen Kulturpublikums hinaus gehen, denn ungeachtet ihres Potenzials wurde die Soziokultur von der Kulturpolitik als marginal behandelt.

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