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Das heißt dann auch, sich von alten Angeboten zu trennen, um Raum zu schaffen für neue Kulturformen, die mit aktuellen ästhetischen Mitteln auf für die Bevölkerung relevante Themen und Probleme Bezug nehmen und von dieser auch wahrgenommen werden, sowie vor allem für solche Kulturformen, die zur eigenen kulturellen Beteiligung anregen. Möglicherweise ist nun in Deutschland die Zeit reif für die Durchsetzung des Prinzips Soziokultur. Basierend auf einem weiten, integrativen und partizipativen Kulturbegriff, ist Soziokultur offen für unterschiedlichste kulturelle Konzepte aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, arbeitet in bürgernahen stadtteilorientierten Netzwerkstrukturen, gemeinnützig und zwangsläufig zugleich auch wirtschaftlich. Vor allem aber setzt Soziokultur auf eigene Beteiligung ihrer Nutzer und orientiert sich dabei an den Prinzipien kultureller Bildung unter einer gesellschaftspolitischen Perspektive. Soziokultur steht auch für die Auflösung der Grenzen von E- und U-Kultur und den damit verbundenen Wertigkeiten.
Aufgabe der Soziokultur ist es jetzt, neue Wege der offensiven Kommunikation ihrer Anliegen zu finden – sowohl in den politischen Diskussionen wie auch in die breite Bevölkerung hinein – und sich nicht länger mit einem Nischenplatz zufrieden zu geben. Sie muss die Bedürfnisse nach Unterhaltung und herausragenden Erlebnissen ernst nehmen und bedienen, darf dabei allerdings ihre zentrale Aufgabe nicht aus den Augen verlieren, für unterschiedliche Milieus da zu sein und auch kulturferne Bevölkerungsgruppen zu integrieren.
Soziokultur kann neue Formen bürgerschaftlichen Engagements initiieren und der zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken durch niedrigschwellige Angebote, die aktivieren, eigene Gestaltungsfähigkeiten motivieren und Menschen verbinden. Damit könnte der Weg frei gemacht werden für eine Popularisierung der Kultur im besten Sinne als Chance für eine Kulturgesellschaft, an der sehr viel mehr als acht Prozent der Bevölkerung beteiligt sind.
Prof. Dr. habil. Birgit Mandel ist verantwortlich für den Bereich Kulturmanagement und Kulturvermittlung im Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.
Den Beitrag entnahmen wir der Zeitschrift Soziokultur 01/2010. Sie wird von der Bundesvereinigung soziokultureller Zentren e.V. herausgegeben.
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Schlagworte: Ausgrenzung, Bildung, Kulturelle Teilhabe, Kulturkonsum, Kulturnutzung, Oper, Publikum, Soziokultur, Teilhabe, Theater, Ungleichheit
