Kultur, Schule, Bildung

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Bei einem Programm, das Kultur und Schule miteinander in Verbindung bringen will, lohnt es sich, genauer hinzugucken, meint Johannes Bilstein.

Bei einem Programm, das Kultur und Schule miteinander in Verbindung bringen will, lohnt es sich, die ideen- und imaginationsgeschichtlichen Hintergründe der zentralen Begriffe »Schule« und »Kultur« etwas genauer in den Blick zu nehmen. Was also sind die Ideen und Vorstellungen, die unseren Konzepten von »Kultur« und »Schule« zugrunde liegen und bis heute mitschwingen?

Kultur: Sorge und Auswahl

Was die Kultur angeht, so wissen wir: Mit Cicero fing alles an. Seine Rede von der »cultura animi« in der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts setzt den europäischen Diskurs über die Inhalte der Kultur in Gang, thematisiert aber auch bereits von Anfang an die denkbaren und notwendigen Handlungsformen von Kultur. Kultur – das ist bei ihm nämlich von vorneherein mit Aktivität und Handeln verbunden. Keineswegs hat er da einen festen, nicht veränderbaren Zustand vor Augen. Bereits die klassische Textstelle aus Ciceros Tusculanen enthält nicht nur eine Analogie zwischen Acker und Seele, sondern darüber hinaus eine ausführliche, sozusagen agrartechnisch begründete Argumentations-Kette, eine Art Handlungs-Anweisung.

»Denn wie nicht alle Äcker Frucht tragen, die bebaut werden, … so bringen auch nicht alle Seelen die Frucht ihrer Bearbeitung. Und … wie ein Acker, auch wenn er fruchtbar ist, ohne Pflege keine Frucht tragen kann, so auch die Seele nicht ohne Belehrung (»doctrina«). Jedes ist ohne das andere wirkungslos. Pflege der Seele (»cultura animi«) ist aber die Philosophie: Sie zieht die Laster mit der Wurzel aus, bereitet die Seelen dazu, die Saat zu empfangen, übergibt sie ihnen und säet …was dann, wenn es ausgewachsen ist, die reichste Frucht bringt.«

Es gibt also viel zu tun auf Ciceros Acker. Es muss gesät und geerntet werden. Es geht um Handlung und Arbeit, um lange Prozesse menschlichen Mühens. Feld und Garten brauchen jemanden, der sich um sie kümmert, der sich emsig um sie herumbewegt. »*kwel« lautete wohl die im Indogermanischen zugrunde liegende Sprach-wurzel, die Bedeutungsgehalte wie »emsig beschäftigt sein« und »sich herumbewegen« abdeckte. Und diese Wurzel »*kwel« führt schließlich zum lateinischen Wort für pflegen, umsorgen und betreuen, zu »colere«, das dann der »cultura« zugrunde liegt.

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