Mehr als Kulturlobbyismus

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Ist das ein Plädoyer gegen kulturelle Events und Leuchttürme?

Nein, es spricht nichts gegen Leuchttürme und Events, wenn sie für die Kunst- und Stadtentwicklung wichtig sind. Es geht mir nur darum, dass der Anspruch präsent bleibt, dass Kulturpolitik für alle Menschen gemacht wird. Das liegt auch im Eigeninteresse der Kulturpolitik, denn auch sie ist zustimmungspflichtig und braucht Mehrheiten. Die Bonner Kulturpolitiker wussten sicher, warum der Bau eines Konzerthauses zurzeit nur bedingt opportun ist.

Beim Thema von Shortcut Europe 2010 ist von “kulturellen Strategien” die Rede. Meint das nicht mehr als kulturpolitische Herangehensweisen?

Im Englischen lautet der Untertitel „Cultural Policy and Social Exclusion“. „Policy“ meint mehr als „Politik“ im deutschen Sinne. Deshalb sprechen wir von kulturellen Strategien, weil die Fragen, die auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung zu verhandeln sind, von den kulturpolitischen Akteuren im engeren Sinne allein nicht beantwortet werden können. Die notwendigen Antworten sind systemisch zu sehr eingebunden. Selbst die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich als solche ins Spiel bringen, betreiben häufig nur Kulturlobbyismus. Das mag notwendig sein, aber es reicht nicht. Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion auf breiterer Basis, die auch die Frage behandelt, wie wir in Zukunft leben wollen und welche Kulturpolitik wir dafür brauchen.

Dr. Norbert Sievers ist Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft Bonn. Weitere Informationen hier

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