Fakten, Fakten, Fakten (3)

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Der Kongress Shortcuts 2010 ist Teil der EU-Initiative 2010 zu Fragen der sozialen Inklusion, der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Unter dem Titel „Fakten, Fakten, Fakten“ stellen wir unregelmäßig Daten zur zunehmenden sozialen Spaltung in der Gesellschaft zusammen. Frage nicht nur an die Kulturpolitik und Kulturarbeit: wie dagegen anzusteuern. Diesmal: Lebensbedingungen in Europa und die Quoten für Armut und Reichtum in Deutschland.

Wenn Jugendliche sich heute über finanzielle Dinge informieren wollen, stehen bei ihnen neben den Eltern das Internet ganz vorne. Erstere würde 65 % fragen, im Netz suchen 63,5 %. Es folgen Infos aus Radio und Fernsehen und die Diskussion mit Freunden und Bekannten. Immerhin noch 46 % würden sich an ihre Bank wenden.  An dieser Stelle sei das Internet empfohlen. Quelle: MetallRente Studie 2010 (Prof. Dr. Klaus Hurrelmann/Heribert Karch).


Europa gehört zwar trotz der aktuellen Finanzkrise nach wie vor zu den reichen Weltregionen, doch Arme gibt es auch hier. Als armutsgefährdet gelten Personen dann, wenn sie nur über 60 % des nationalen „Äquivalenzeinkommens“ verfügen. Der entsprechende Medianwert wird über ein komplizierteres statistisches Verfahren ermittelt. Als Basis dient dabei das Haushaltseinkommen ohne Steuern und Sozialbeiträge. In Deutschland lag die Summe 2007 für Alleinlebende bei 10.624 Euro im Jahr (2008: 10.953), bei einer vierköpfigen Familie bei 22.310 Euro (2008: 23.001). Das entspricht rund 12,5 Millionen oder 15 Prozent der Bevölkerung. Deutschland lag damit knapp unter der durchschnittlichen EU-„Armutsgefährdungsquote“ von 17 Prozent. In mit Deutschland vergleichbaren EU-Staaten waren die Armutsquoten deutlich niedriger. Neben den Niederlanden (11%) verzeichneten hier Österreich, Dänemark und Schweden jeweils 12 %. Auch in Frankreich und Luxemburg (jeweils 13%) sowie in Finnland (14%) lag die Quote unter dem deutschen Wert. In kriselnden Griechenland liegt die Gefährdungsgrenze übrigens bei jährlichen 6.480 Euro, betroffen ist ein Fünftel der Griechen.  Quelle: Statistisches Bundesamt „Leben in Europa“


Nach diesen Vorgaben gehören die Arbeitnehmer des Niedriglohnsektors vorrangig zu den Gefährdeten. 2007 betraf das rund 6,5 Millionen Beschäftigten. Gegenüber 2006 stieg der Niedriglohnanteil insgesamt zwar nur geringfügig, aber die Zahl der Betroffenen erhöhte sich um rund 350.000 merklich – insgesamt eine Stagnation auf hohem Niveau. Seit 1995 hat sich die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten um rund 2,1 Millionen oder knapp 49 % erhöht. Die durchschnittlichen Stundenlöhne von Niedriglohnbeschäftigten sind in den vergangenen zwölf Jahren inflationsbereinigt nicht gestiegen, teilweise sogar gesunken. Auch nominal sind sie rückläufig. Das Lohnspektrum in Deutschland beginnt nach unten auszufransen. 2007 arbeiteten fast 2,2 Millionen Beschäftigte (7,2%) für weniger als 6 € brutto pro Stunde. Gut 1,2 Millionen bzw. 4% der Beschäftigten verdienten sogar weniger als 5 €. Wenn man Beschäftigtengruppen wie Schüler/innen, Studierende, Rentner/innen sowie Nebenjobs mit einbezieht, steigt der Anteil der Beschäftigten, die Stundenlöhne von unter 6 € erhalten, sogar auf fast 10% aller Beschäftigten (knapp 3,3 Millionen). Quelle: IAQ-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Essen/Duisburg


Parallel zum Wachsen des Niedriglohnsektors ist die Anzahl der tarifgebundenen Betriebe in Deutschland zurückgegangen und somit auch der Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben. 1996 arbeiteten noch 69 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 56 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland in tarifgebundenen Betrieben. 2005 betrug der Anteil hingegen nur noch 59 Prozent in West- und 42 Prozent in Ostdeutschland. Quelle: Lebenslagen in Deutschland – Dritter Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

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