Ausgrenzung – auch eine Frage der Kulturpolitik?

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In seinem Eröffnungsvortrag zur Tagung „Shortcut Europe“ erinnert Max Fuchs an die Versprechungen der Moderne und wagt einen Blick in die Realität.

Dass man bei einem solchen Thema, über das ich jetzt sprechen soll, mit Karl Marx beginnt, ist vielleicht nicht so verwunderlich. Ich werde es allerdings in einer Weise tun, die doch ein wenig überraschen könnte. Karl Marx war nämlich nicht bloß Wissenschaftler, Journalist und Politiker, er war auch Familienvater. Insbesondere hatte er einige Töchter, u.a. Laura. Laura heiratet später den französischen Revolutionär Paul Lafargue, der ein bemerkenswertes Buch geschrieben hat, das den Titel hatte „Lob der Faulheit“. Genau dieses Buch ist für das, was ich heute tun soll, sehr relevant. Warum ist dies der Fall? Dies hängt damit zusammen, dass ich noch nie bei einer Tagung mitgewirkt habe, die so hervorragend vorbereitet worden ist. Es gab eine Fülle von Newslettern, konzeptionellen und statistischen Informationen, Theorien und Denkanstößen. Wer all dies gelesen hat, braucht heute keine Vorträge mehr, denn es gibt definitiv nichts mehr, was man sagen könnte. Und genau das ist mein Problem. Dazu kommt, dass in allen Begrüßungsansprachen sehr prägnant das Problem, über das ich sprechen soll, dargestellt worden ist. Meine einzige Hoffnung ist daher Paul Lafargue, ist eine Hoffnung auf Faulheit, denn diese ist die einzige Chance, dass Sie den Eindruck haben könnten, ich könnte etwas Neues erzählen: Weil Sie einfach zu faul waren, all diese umfangreichen Texte zu lesen.

Ich habe meinen Text in drei Teile geteilt: In einem ersten Teil gehe ich auf Versprechungen der Moderne ein. Ich werde in einem historischen Diskurs zeigen, dass Teilhabe, also das genaue Gegenteil von Ausgrenzung, zu den Visionen und Utopien mit Beginn der Neuzeit gehört, mit denen die bürgerliche Gesellschaft angetreten ist, eine bessere Zukunft zu kreieren. Zu dieser Teilhabe als einem der zentralen Versprechungen der Moderne gehören alle Formen von Teilhabe, nämlich die ökonomische, kulturelle, soziale und politische Teilhabe. Als einen ersten Beleg für meine Behauptung erinnere ich Sie an den Kampfruf der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Dafür haben die Menschen gekämpft, dies haben sie in 17 Artikeln in einer Proklamation der Nationalversammlung als „Rechte der Menschen und der Bürger“ feierlich beschlossen. Und ein weiterer Hinweis: Die meisten wissen vermutlich, dass es in den Verfassungen der USA und der Einzelstaaten als oberstes Ziel „Pursuit of Happiness“, also das Menschen- und Bürgerrecht auf Glück gibt. Wichtig sind all diese Zielvorstellungen und Visionen deshalb, weil die Legitimität unserer politischen und gesellschaftlichen Ordnung genau auf den Hoffnungen beruht, dass all diese Ziele realisiert werden mögen. In einem zweiten Teil werde ich daher einen Blick in die Realität werfen, und Sie ahnen es schon oder wissen es bereits: Diese Realität ist nicht sonderlich erfreulich, sodass man kaum sagen kann, dass sich all diese Versprechungen erfüllt haben. In einem letzten Teil gehe ich dann darauf ein, was dies für eine demokratische Kulturpolitik bedeutet. Zur Einstimmung und damit Sie die Richtung meiner Argumentation vorab kennen, möchte ich einen deutschen Verfassungsrechtler, Erhard Denninger, zitieren, der bereits 1981 folgendes gesagt hat: „Der Staat des ausgehenden 20. Jahrhunderts wird das Problem der sozialen Gerechtigkeit als das Problem Nummer 1 anerkennen oder er wird eine vernichtende Legitimationseinbuße erleiden.“

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