Ungleichheit

Rassismus heute

Montag, 8. März 2010

Aus Sicht des Politologen Gideon Botsch favorisiert die Rassismus-Forschung heute einen „flexiblen, sowohl historisch als auch soziologisch gesättigten, offenen Rassismus-Begriff“. Dabei geht man davon aus, dass sich „die rassistische Anklage bald auf einen biologischen und bald auf einen kulturellen Unterschied (stützt). Einmal geht sie von der Biologie, dann wieder von der Kultur aus, um daran anschließend allgemeine Rückschlüsse auf die Gesamtheit der Persönlichkeit, des Lebens und der Gruppe des Beschuldigten zu ziehen.“ Vor diesem Hintergrund kommt der Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Passagen des Interviews der Zeitschrift lettre international mit Bundesbank-Vorstand Thilo Sarazin in „in zentralen Passagen eindeutig als rassistisch zu betrachten (sind), insofern sie Differenz konstruieren, Wertungen vornehmen, Zuschreibungen verallgemeinern und die Funktion erkennen lassen, die Privilegien von „Leistungsträgern“ und „Eliten“ einerseits und Leistungsverweigerern andererseits zu begründen.“ Dass der Bundesbanker sich nicht nur bei heutigen Minderheiten schwer tut, machen die historischen Rekurse des Interviews deutlich. So spricht Sarazin von einem „immensen jüdischen Aderlass nach 1933“ und führt u. a. an, „dreißig Prozent der Ärzte seien jüdischer Herkunft gewesen und sitzt damit einer nationalsozialistischen Propagandabehauptung auf, denn diese Zahl bezieht sich auf die niedergelassenen Ärzte. Dass der Einzelhandel ‚größtenteils in jüdischem Besitz‘ gewesen sei, ist ebenso Legende. Schätzungsweise war vielmehr jedes zehnte Einzelhandelsgeschäft in Berlin in jüdischem Besitz, ein hoher Wert gemessen am jüdischen Gesamtanteil an der Bevölkerung, aber keineswegs ein „großer Teil“.“ Die Wertung ist in einem Gutachten nachzulesen, das Botsch für Berliner SPD-Parteiverbände erstellt hat.

Raus aus dem Ghetto

Mittwoch, 3. März 2010

Der zweite Europäische Gipfel zur Inklusion der Roma findet im April im spanischen Cordoba statt. (weiterlesen…)

Es gibt sie noch, die feinen Unterschiede

Montag, 1. März 2010

Kultur und Bildung sind keine herrschaftsfreien Räume. Das Programm „Kultur für alle“ berührt gesellschaftliche Machtinteressen, für eine Umsetzung solcher Forderungen muss man kämpfen, meint Elitenforscher Michael Hartmann. Zugleich hat sich die Kultur der Eliten pluralisiert. (weiterlesen…)

Fakten, Fakten, Fakten (2)

Mittwoch, 24. Februar 2010

Der Kongress Shortcuts 2010 ist Teil der EU-Initiative 2010 zu Fragen der sozialen Inklusion, der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Unter dem Titel „Fakten, Fakten, Fakten“ stellen wir unregelmäßig Daten zur zunehmenden sozialen Spaltung in der Gesellschaft zusammen. Frage nicht nur an die Kulturpolitik und Kulturarbeit: wie dagegen anzusteuern. Diesmal: Daten zum Schulsystem in Deutschland. (weiterlesen…)

Ende der Teilhabe ?

Dienstag, 16. Februar 2010

Wie weiter mit dem Sozialstaat? Nachdem das Bundesverfassungsgericht für die weitere Debatte eine Orientierung an den Kriterien der Menschenwürde angemahnt hat, spricht Vizekanzler Guido Westerwelle von „pawlowschen Reflexen“, „spätrömischer Dekadenz“ und einer „Missachtung der Mitte“. Damit sei das alte sozialstaatliche Gebot “Wohlstand für alle” aufgekündigt, sagt der Politologe Albrecht von Lucke. Bisher habe gegolten, dass von Wohlstandszuwächsen immer auch die Schwächsten profitieren müssten. Albrecht von Lucke im Gespräch mit Joachim Scholl. Derweil lobt Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz die Ungleichheit,  spricht von „prosaischen Problemen der Finanzierung des Sozialstates“ und springt dem Vizekanzler bei.  Mehr