Seinen Ursprung hat das Konzept in der französischen Kulturpolitik der Dezentralisierung unter Kulturminister André Malraux in den frühen sechziger Jahren. Europarat und UNESCO griffen diesen Ansatz der "animation socioculturelle" auf und machten ihn populär. Soziokulturelle Arbeit umfasst Praktiken und Aktivitäten, die darauf abzielen, soziale Bindungen, individuelle Selbstverwirklichung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.
Verwurzelt in der Tradition der Volksbildung, will sie allen Menschen den Zugang zur Kultur ermöglichen, sich auszudrücken und aktiv an der Gestaltung ihres eigenen sozialen Umfelds mitzuwirken.
Nicht von ungefähr hat sich deshalb das soziokulturelle Praxisfeld organisatorisch unabhängig von direkter staatlicher Einflussnahme und Kontrolle in eigenen, zumeist selbstverwalteten Strukturen entwickelt. Es ist nicht unähnlich dem Engagement des Bürgertums oder der Arbeiterbewegung, die sich im 19. Jahrhundert im Gegensatz zur feudalen Gesellschaft ihre eigenen Kultur und Bildungseinrichtungen schufen.
Dieser Akt der kulturellen Emanzipation stand im unmittelbaren Zusammenhang mit den demokratischen Bewegungen jener Zeit - ja war selbst ein Akt demokratischer Selbstermächtigung und Autonomie.
Denn die ihm vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel führen letztlich zu einer Förderquote von nur 16,7 %. Das ist enttäuschend für die vielen Projekte und ihre Aktiven, die damit mehr kulturelle Beteiligung ermöglichen wollen.
Vier Programmsäulen umfasste 2025 das Förderportfolio des Fonds Soziokultur: die Allgemeine Projektförderung, „U25“ für junge Kulturinitiativen, „Cultural Bridge“ für bilaterale Projekte mit dem Vereinigten Königreich und das Transformationsprogramm „Profil: Soziokultur“. Die letztgenannte Säule, die bisher die soziokulturellen Einrichtungen bei ihren Veränderungsprozessen nach innen und außen unterstützt hat, kann aufgrund einer Mittelkürzung des Bundes im Jahr 2026 nicht fortgeführt werden. Dies ist eine herbe Enttäuschung für die Adressaten des Fonds.
Erfreulich ist hingegen die zusätzliche Unterstützung junger Kulturinitiativen. Der Anspruch der Soziokultur auf Selbstbestimmung und demokratische Normen kann insbesondere für die junge Generation mit einer einmaligen Sonderförderung des Bundes im Jahr 2026 für das Förderprogramm U25 im Umfang von 300.000 Euro noch wirkungsvoller erreicht werden.
Der Fonds Soziokultur bedankt sich beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Dr. Weimer, für diese Unterstützung. Der Dank geht gleichermaßen an die Abgeordneten des Bundestages, die sich in dieser schwierigen Zeit für den Fonds einsetzen. Für die konstruktive Zusammenarbeit sei den Mitarbeitenden der Kulturabteilung des Bundes gedankt und all denen, die dem Fonds Soziokultur zur Seite stehen und in der Geschäftsstelle, im Vorstand und im Kuratorium für ihn beruflich oder ehrenamtlich tätig sind.
Kurt Eichler
Vorsitzender des Fonds Soziokultur e.V.