Einsamkeit ist ein Tabuthema. Man ist doch selbst schuld, sagt man sich, beschämt, angesichts der unendlich scheinenden Möglichkeiten, sich jederzeit und mit vielen zu verbinden. Wie können soziokulturelle Aktivitäten und künstlerische Mitgestaltung Brücken bauen und neuen Raum oder echte Orte für Verbindungen schaffen? 

Denn eigentlich kennt es jede*r. Und es ist nicht leicht, tatsächlich zuzugeben, ganz weit draußen zu sein und sich abgekoppelt zu fühlen. Dabei geht es sehr vielen Menschen so, jungen wie älteren, Menschen, die behindert werden, die viel Verantwortung für andere tragen, Menschen, die sich entwurzelt fühlen oder solchen, die irgendwann den Kontakt zu ihren Freund*innen verloren haben. Einsamkeit entsteht auch dort, wo Orte der Begegnung fehlen, wo Anlässe und Strukturen verschwunden sind.

Mit dieser Themensetzung des Innovationspreises sucht der Fonds Soziokultur Kulturprojekte, die mit diesem gesellschaftlichen Phänomen konstruktiv umgehen.  Welche Geschichten und Gründe für die Einsamkeit werden sichtbar und wie lassen sie sich mit Kunst und Kultur überwinden oder neu erzählen? 

Nun könnte man sagen, dass im Grunde jedes Projekt der Kulturellen Bildung oder der Soziokultur gegen Einsamkeit wirksam ist, Kultur per se verbindet, Gräben überwindet. Was aber sicher eine ganz besondere Aufmerksamkeit braucht, ist die Zugänglichkeit und die Qualität der Verbindung sowie das Gefühl, wirklich wahrgenommen und verstanden zu werden. Kunst und Kultur können genau das ermöglichen, indem sie echte Begegnung schaffen und Räume öffnen, in denen niemand unsichtbar bleibt. 

Der Innovationspreis ist an die „Allgemeine Projektförderung“ gekoppelt und wird in dieser sowie auch der kommenden Ausschreibung im Oktober 2026 mit dem Thema „Einsamkeit“ ausgeschrieben: Wer eine Förderung erhält und sich mit dem Thema Einsamkeit auseinandersetzt, kann vom Kuratorium für den Preis nominiert werden. Eine gesonderte Bewerbung für den Innovationspreis ist demnach nicht möglich. Stattdessen stellen Interessierte einen Antrag im Programm Allgemeine Projektförderung, das wie immer themen- und spartenoffen ist. Nominierte Projekte werden während ihrer Durchführung begleitet und vor Ort besucht. Nach Abschluss aller nominierten Projekte wählt eine Jury die Preisträger*innen aus (voraussichtlich Ende 2028). Der Preis ist mit bis zu 10.000 Euro dotiert.