Für mich ist das U25-Programm des Fonds Soziokultur weit mehr als eine klassische Förderlinie. Es ist ein Raum, in dem junge Menschen mit ihren Ideen, Fragen und Perspektiven ernst genommen werden. Was ich besonders schätze, ist der niedrigschwellige Zugang: Hier geht es nicht darum, bereits perfekte Strukturen oder langjährige Erfahrung im Förderwesen mitzubringen. Vielmehr steht das Potenzial im Vordergrund: die Energie, die Experimentierfreude und der Wille, kulturelle Räume neu zu denken. Gerade junge Initiativen, die sonst vielleicht keinen Zugang zu größeren Förderprogrammen hätten, bekommen hier die Möglichkeit, ihre Vision sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.

Ein starkes U25-Projekt zeichnet sich für mich durch Authentizität aus. Es erzählt eine eigene Geschichte, bringt eine klare Haltung mit und reagiert auf konkrete Bedarfe vor Ort. Besonders wichtig ist mir, dass junge Menschen nicht nur als Zielgruppe gedacht werden, sondern als aktive Gestalterinnen und Gestalter des Projekts auftreten. Wenn Beteiligung ernst gemeint ist und nicht nur auf dem Papier steht, entsteht echte kulturelle und demokratische Erfahrung. Gleichzeitig beeindruckt mich, wenn Projekte den Mut haben, neue Wege zu gehen - sei es durch innovative Formate, interdisziplinäre Ansätze oder durch das Aufgreifen gesellschaftlicher Themen, die junge Menschen unmittelbar betreffen.

In der Juryarbeit interessiert mich vor allem, was hinter einer Idee steht. Welche Motivation treibt die Antragstellenden an? Welche Erfahrungen oder Beobachtungen haben zur Projektidee geführt? Ich achte außerdem darauf, wie ein Projekt über den Förderzeitraum hinaus denkt: Welche Wirkung soll erzielt werden, welche Prozesse werden angestoßen? Dabei ist es mir wichtig, unterschiedliche Ausgangsbedingungen zu berücksichtigen. Nicht jede Initiative verfügt über dieselben Ressourcen oder dieselbe Antragserfahrung. Entscheidend ist für mich, ob die Idee stimmig, nachvollziehbar und engagiert entwickelt wurde.

Allen, die gerade über einen Antrag nachdenken, würde ich raten, sich nicht von vermeintlichen Erwartungen einschüchtern zu lassen. Ein Antrag muss nicht perfekt oder besonders kompliziert formuliert sein. Viel wichtiger ist, klar zu machen, warum das Projekt relevant ist, wen es erreichen möchte und was sich durch seine Umsetzung verändern oder bewegen soll. Es hilft, die eigene Motivation deutlich zu benennen und die Zielgruppe konkret zu beschreiben. Gleichzeitig lohnt es sich, im Vorfeld Rücksprache mit anderen zu halten, Feedback einzuholen und die Idee gemeinsam weiterzuschärfen.

Am Ende geht es bei U25 darum, junge Kulturinitiativen zu stärken, die etwas ausprobieren, Fragen stellen und neue Perspektiven eröffnen. Wer eine durchdachte Idee mit echter Leidenschaft verfolgt und nachvollziehbar darlegt, warum sie gebraucht wird, bringt die wichtigste Voraussetzung bereits mit.

Leonel Richy Andicene